Wer Körperfett reduzieren und gleichzeitig möglichst viel Muskelmasse erhalten möchte, stößt früher oder später auf die anabole Diät. Dieses Ernährungskonzept gehört zu den bekanntesten Low-Carb-Strategien im Fitnessbereich und wird seit vielen Jahren von Kraftsportlern, Bodybuildern und ambitionierten Freizeitsportlern genutzt.
Im Mittelpunkt steht ein einfacher Gedanke: Während der Woche verzichtest du weitgehend auf Kohlenhydrate und deckst deinen Energiebedarf hauptsächlich über Fett und Eiweiß. An ein bis zwei Tagen werden die Kohlenhydratspeicher dann gezielt wieder aufgefüllt. Dadurch soll der Körper verstärkt Fett als Energiequelle nutzen, ohne dass die Leistungsfähigkeit langfristig leidet.
Doch funktioniert dieses Prinzip tatsächlich? Für wen eignet sich die anabole Diät, welche Vorteile bietet sie und welche Nachteile solltest du kennen? In diesem Artikel erfährst du, wie die anabole Diät aufgebaut ist, welche Lebensmittel erlaubt sind und worauf du achten solltest.
Was ist die anabole Diät?
Die anabole Diät ist eine spezielle Form der Low-Carb-Ernährung. Bekannt wurde sie Anfang der 1990er-Jahre durch den kanadischen Arzt Dr. Mauro Di Pasquale. Ziel war es, die Vorteile einer kohlenhydratarmen Ernährung mit den positiven Effekten regelmäßiger Kohlenhydratladetage zu kombinieren.
Der Begriff „anabol“ bedeutet im medizinischen Sinn „aufbauend“. Gemeint ist damit der Erhalt oder Aufbau von Muskelmasse. Die Ernährung soll den Körper dazu bringen, bevorzugt Fett als Energiequelle zu nutzen, während ausreichend Eiweiß dabei hilft, die Muskulatur zu schützen.
Im Unterschied zu einer dauerhaft ketogenen Ernährung sind bei der anabolen Diät regelmäßige Kohlenhydratphasen fest eingeplant. Dadurch sollen die Glykogenspeicher wieder aufgefüllt werden, was insbesondere beim intensiven Krafttraining Vorteile haben kann.
Wie funktioniert die anabole Diät?
Die anabole Diät besteht aus zwei klar getrennten Phasen.
1. Low-Carb-Phase
An fünf bis sechs Tagen pro Woche werden Kohlenhydrate stark reduziert. Meist liegt die tägliche Aufnahme unter 30 Gramm, teilweise auch darunter.
Die Energie stammt überwiegend aus:
- hochwertigen Fetten
- eiweißreichen Lebensmitteln
- kohlenhydratarmem Gemüse
Durch den geringen Kohlenhydratanteil sinkt der Insulinspiegel. Gleichzeitig stellt der Körper seine Energieversorgung zunehmend auf Fettverbrennung um. Nach einigen Tagen kann sich der Stoffwechsel an diese Situation anpassen.
2. Refeed-Phase
Nach mehreren kohlenhydratarmen Tagen folgt ein sogenannter Refeed oder Ladetag.
Jetzt stehen kohlenhydratreiche Lebensmittel im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Glykogenspeicher in Muskeln und Leber wieder aufzufüllen. Gleichzeitig können einige Sportler ihre Trainingsleistung besser aufrechterhalten.
Die Fettzufuhr wird während dieser Phase meist deutlich reduziert, damit die Gesamtkalorien nicht unnötig ansteigen.
Warum setzen viele Kraftsportler auf die anabole Diät?
Beim Krafttraining besteht häufig das Ziel, Körperfett abzubauen, ohne Muskelmasse zu verlieren. Genau hier setzt die anabole Diät an.
Durch die hohe Eiweißzufuhr erhält der Körper ausreichend Aminosäuren für die Muskulatur. Gleichzeitig liefert das Fett einen großen Teil der benötigten Energie. Während der Refeed-Tage werden die Kohlenhydratspeicher wieder gefüllt, wodurch intensive Trainingseinheiten weiterhin möglich bleiben.
Viele Sportler berichten außerdem von:
- einem längeren Sättigungsgefühl
- weniger Heißhunger
- einer besseren Kontrolle der Kalorienaufnahme
- einer sichtbareren Muskeldefinition während einer Diät
Allerdings reagiert jeder Stoffwechsel unterschiedlich. Deshalb fallen die Ergebnisse individuell verschieden aus.
Welche Makronährstoffe sind typisch?
Die klassische Verteilung der Makronährstoffe sieht ungefähr so aus.
Während der Low-Carb-Tage
- etwa 55 bis 65 Prozent Fett
- rund 30 bis 40 Prozent Eiweiß
- maximal 5 bis 10 Prozent Kohlenhydrate
Während der Refeed-Tage
- hoher Kohlenhydratanteil
- moderater Eiweißanteil
- möglichst wenig Fett
Je nach Trainingsziel und persönlichem Energiebedarf können diese Werte leicht variieren.
Erlaubte Lebensmittel bei der anabolen Diät
Während der kohlenhydratarmen Tage stehen vor allem natürliche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel auf dem Speiseplan.
Eiweißreiche Lebensmittel
Geeignet sind beispielsweise:
- Hähnchen
- Putenfleisch
- Rindfleisch
- Schweinefleisch
- Fisch
- Meeresfrüchte
- Eier
- Magerquark
- Skyr
- Käse
- griechischer Joghurt
- Proteinpulver ohne Zuckerzusatz
Gesunde Fettquellen
Besonders empfehlenswert sind:
- Avocados
- Olivenöl
- Rapsöl
- Leinöl
- Nüsse
- Mandeln
- Walnüsse
- Macadamianüsse
- Samen
- Butter in moderaten Mengen
- fettreicher Fisch
Gemüse mit wenig Kohlenhydraten
Dazu gehören unter anderem:
- Brokkoli
- Blumenkohl
- Spinat
- Gurken
- Zucchini
- Salat
- Spargel
- Pilze
- Paprika
- Grünkohl
Dieses Gemüse liefert Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, obwohl nur wenige Kohlenhydrate enthalten sind.
Welche Lebensmittel solltest du meiden?
Während der Low-Carb-Phase werden kohlenhydratreiche Lebensmittel weitgehend vermieden.
Dazu zählen:
- Brot
- Brötchen
- Nudeln
- Reis
- Kartoffeln
- Haferflocken
- Süßigkeiten
- Softdrinks
- Fruchtsäfte
- Kuchen
- Gebäck
- Zucker
- Honig
- viele Fertigprodukte
Auch stark gezuckerte Müslis oder Frühstücksflocken passen nicht in das Ernährungskonzept.
Was kommt an den Refeed-Tagen auf den Teller?
Während der Ladephase werden Kohlenhydrate bewusst erhöht.
Geeignete Lebensmittel sind beispielsweise:
- Reis
- Kartoffeln
- Haferflocken
- Vollkornnudeln
- Vollkornbrot
- Obst
- Hülsenfrüchte
- Couscous
- Quinoa
Viele Sportler bevorzugen komplexe Kohlenhydrate, weil sie länger sättigen und den Blutzucker weniger stark ansteigen lassen.
Vorteile der anabolen Diät
Die anabole Diät bietet einige mögliche Vorteile, wenn sie gut geplant wird.
Unterstützung beim Fettabbau
Durch die geringe Kohlenhydratzufuhr greift der Körper verstärkt auf Fettreserven zurück. Gleichzeitig fällt es vielen Menschen leichter, ein Kaloriendefizit einzuhalten.
Muskelerhalt während einer Diät
Eine hohe Eiweißaufnahme kann dazu beitragen, Muskelmasse während einer kalorienreduzierten Ernährung besser zu erhalten. Besonders in Verbindung mit regelmäßigem Krafttraining spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle.
Längeres Sättigungsgefühl
Fett und Eiweiß sorgen häufig für eine bessere Sättigung als stark kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Dadurch fällt es vielen leichter, weniger zu essen.
Weniger Blutzuckerschwankungen
Da nur wenige Kohlenhydrate aufgenommen werden, kommt es häufig zu geringeren Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Das kann Heißhungerattacken reduzieren.
Gezielte Kohlenhydratzufuhr
Die Refeed-Tage können dabei helfen, intensive Trainingseinheiten besser zu unterstützen und die Motivation während einer längeren Diät hochzuhalten.
Nachteile und mögliche Risiken der anabolen Diät
So beliebt die anabole Diät im Kraftsport ist, sie hat auch einige Schwächen. Deshalb eignet sich dieses Ernährungskonzept nicht für jeden.
Die Umstellung kann anstrengend sein
In den ersten Tagen der Low-Carb-Phase berichten viele Menschen über Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder ein geringeres Energielevel. Der Körper muss sich zunächst daran gewöhnen, Fett verstärkt als Energiequelle zu nutzen.
Diese Beschwerden verschwinden bei vielen nach einigen Tagen. Ausreichend Flüssigkeit sowie eine gute Versorgung mit Mineralstoffen können dabei helfen, die Umstellungsphase angenehmer zu gestalten.
Hohe Disziplin erforderlich
Die Ernährung ist vergleichsweise strikt. Wer gerne Brot, Nudeln oder Reis isst, empfindet die kohlenhydratarmen Tage häufig als Herausforderung.
Auch Restaurantbesuche oder Einladungen können etwas mehr Planung erfordern.
Gefahr einer unausgewogenen Ernährung
Wer hauptsächlich Fleisch und Käse isst und Gemüse vernachlässigt, riskiert eine zu geringe Aufnahme von Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen.
Deshalb sollte jede Mahlzeit möglichst auch kohlenhydratarmes Gemüse enthalten.
Nicht jede Fettquelle ist sinnvoll
Die anabole Diät bedeutet nicht, beliebig viele stark verarbeitete oder sehr fettreiche Lebensmittel zu essen. Zwar gehören Fette zum Konzept, dennoch sollte die Qualität stimmen.
Besonders empfehlenswert sind überwiegend ungesättigte Fettsäuren aus:
- Olivenöl
- Nüssen
- Samen
- Avocados
- fettem Seefisch
Stark verarbeitete Lebensmittel oder große Mengen Fast Food liefern dagegen häufig viele Kalorien, aber vergleichsweise wenige wertvolle Nährstoffe.
Für wen eignet sich die anabole Diät?
Die anabole Diät richtet sich vor allem an Menschen, die regelmäßig Krafttraining betreiben und ihren Körperfettanteil reduzieren möchten.
Geeignet kann sie unter anderem für:
- Kraftsportler
- Bodybuilder
- Fitnesssportler in einer Definitionsphase
- Menschen, die mit einer klassischen Low-Carb-Ernährung gut zurechtkommen
Wer dagegen hauptsächlich Ausdauersport betreibt, profitiert nicht immer im gleichen Maß. Gerade bei langen oder sehr intensiven Ausdauerbelastungen spielen Kohlenhydrate eine wichtige Rolle als Energielieferant.
Auch für Kinder, Jugendliche, Schwangere oder Stillende ist diese Ernährungsform ohne medizinische Begleitung nicht zu empfehlen.
Menschen mit Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie anderen chronischen Erkrankungen sollten eine größere Ernährungsumstellung grundsätzlich mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.
Beispiel für einen Tagesplan während der Low-Carb-Phase
Ein möglicher Tagesablauf könnte so aussehen.
Frühstück
- Rührei mit Spinat
- Avocado
- Kaffee oder Tee ohne Zucker
Snack
- Handvoll Mandeln
- Käsewürfel
Mittagessen
- Hähnchenbrust
- Brokkoli
- Salat mit Olivenöl
Snack
- Griechischer Joghurt oder Magerquark
- einige Walnüsse
Abendessen
- Lachsfilet
- Zucchini
- Blumenkohl
Dieser Plan dient lediglich als Beispiel. Die tatsächliche Energie- und Eiweißzufuhr sollte zu deinem persönlichen Bedarf passen.
Beispiel für einen Refeed-Tag
Während der Ladephase verändert sich die Zusammensetzung der Mahlzeiten deutlich.
Frühstück
- Haferflocken
- Banane
- Magerquark
Mittagessen
- Hähnchenbrust
- Reis
- Gemüse
Snack
- Vollkornbrot
- körniger Frischkäse
Abendessen
- Kartoffeln
- mageres Rindfleisch
- Salat
Die Fettzufuhr fällt an diesem Tag geringer aus, während der Anteil an Kohlenhydraten deutlich steigt.
Training und anabole Diät
Viele Sportler kombinieren die anabole Diät mit regelmäßigem Krafttraining.
Ein häufig genutzter Ansatz sieht so aus:
- Krafttraining während der Low-Carb-Tage
- besonders intensive Einheiten rund um den Refeed
- ausreichend Regeneration zwischen den Trainingstagen
Welcher Trainingsplan am besten funktioniert, hängt allerdings von deinem Leistungsstand, deinem Ziel und deinem persönlichen Alltag ab.
Häufige Fehler bei der anabolen Diät
Einige Fehler treten besonders häufig auf.
Zu wenig Gemüse
Manche konzentrieren sich ausschließlich auf Fleisch und Eier. Dadurch fehlen Ballaststoffe sowie wichtige Mikronährstoffe.
Zu wenig trinken
Vor allem zu Beginn scheidet der Körper häufig mehr Wasser aus. Deshalb solltest du ausreichend trinken.
Zu wenig Eiweiß
Eiweiß spielt eine zentrale Rolle für den Muskelerhalt. Wer zu wenig davon aufnimmt, verschenkt einen wichtigen Vorteil der anabolen Diät.
Zu viele Kalorien
Auch wenn Kohlenhydrate reduziert werden, entscheidet am Ende die gesamte Energiebilanz über Zu- oder Abnahme.
Große Mengen Käse, Nüsse oder Öle können den Kalorienbedarf schnell überschreiten.
Refeed-Tage als Cheat-Day verstehen
Ein häufiger Irrtum besteht darin, den Refeed mit einem ungeplanten Schlemmtag gleichzusetzen.
Der Sinn eines Refeeds besteht darin, gezielt Kohlenhydrate aufzunehmen. Unkontrollierte Mengen an Fast Food, Süßigkeiten und stark verarbeiteten Lebensmitteln liefern dagegen oft deutlich mehr Kalorien als benötigt.
Praktische Tipps für den Einstieg
Wenn du die anabole Diät ausprobieren möchtest, helfen dir diese Tipps:
- Plane deine Mahlzeiten im Voraus.
- Kaufe passende Lebensmittel für mehrere Tage ein.
- Achte auf ausreichend Gemüse.
- Trinke genügend Wasser.
- Kontrolliere die Kohlenhydratmenge sorgfältig.
- Wähle hochwertige Fettquellen.
- Iss genügend Eiweiß.
- Beobachte deine Trainingsleistung und dein Wohlbefinden.
Nicht jeder reagiert gleich auf eine stark kohlenhydratarme Ernährung. Deshalb lohnt es sich, die Ernährung bei Bedarf individuell anzupassen.
Häufige Fragen zur anabolen Diät
Kann man mit der anabolen Diät abnehmen?
Ja. Voraussetzung ist jedoch ein Kaloriendefizit. Die anabole Diät erleichtert vielen Menschen das Durchhalten einer Diät, ersetzt aber keine insgesamt passende Energiebilanz.
Ist die anabole Diät dasselbe wie eine ketogene Ernährung?
Nein. Beide Ernährungsformen enthalten nur wenige Kohlenhydrate. Bei der anabolen Diät sind jedoch regelmäßige Refeed-Tage mit einer deutlich höheren Kohlenhydratzufuhr vorgesehen.
Wie viele Kohlenhydrate sind erlaubt?
Viele Varianten empfehlen während der Low-Carb-Tage weniger als 30 Gramm Kohlenhydrate täglich. Je nach Trainingsziel und individueller Verträglichkeit können die Empfehlungen leicht abweichen.
Muss ich Kalorien zählen?
Nicht zwingend. Dennoch kann das Erfassen der Kalorien insbesondere zu Beginn hilfreich sein, um den eigenen Energiebedarf besser einzuschätzen.
Kann ich Muskelmasse aufbauen?
Ein Muskelaufbau hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem ein geeigneter Trainingsreiz, eine ausreichende Eiweißzufuhr, genügend Energie sowie ausreichend Regeneration. Die anabole Diät allein sorgt nicht automatisch für mehr Muskelmasse.
Welche Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll?
Viele Sportler nutzen Proteinpulver, Kreatin oder Omega-3-Fettsäuren. Nahrungsergänzungsmittel können eine ausgewogene Ernährung ergänzen, sie ersetzen sie jedoch nicht. Ob sie sinnvoll sind, hängt von deiner Ernährung und deinen persönlichen Zielen ab.
Fazit: Ist die anabole Diät sinnvoll?
Die anabole Diät kombiniert mehrere kohlenhydratarme Tage mit regelmäßigen Kohlenhydrat-Refeeds. Vor allem Kraftsportler setzen dieses Konzept ein, um Körperfett zu reduzieren und gleichzeitig möglichst viel Muskelmasse zu erhalten.
Wer die Ernährung sorgfältig plant, ausreichend Gemüse isst und hochwertige Fett- sowie Eiweißquellen auswählt, kann von einer guten Sättigung und einer strukturierten Ernährungsweise profitieren. Gleichzeitig verlangt die anabole Diät Disziplin und eignet sich nicht für jeden.
Ob sie die passende Ernährungsform für dich ist, hängt von deinem Trainingsziel, deinem Alltag und deiner persönlichen Verträglichkeit ab. Falls Vorerkrankungen bestehen oder Unsicherheiten auftreten, solltest du eine größere Ernährungsumstellung ärztlich oder ernährungsmedizinisch abklären lassen.
